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30 Das Paradies liegt derzeit in Giesing Mensa, kurz vor zwei am gestrigen Freitag. Sie sitzt schon und mampft. Er kommt dazu und begrüßt sie mit Kuss als wärs ganz selbstverständlich. Sie schlingt kurz die Arme um seinen Nacken: „Hol dir was zu essen.“ „Nein, ich will erst wissen, was wir bequatschen müssen.“ „Holst du dir bitte was zu essen. Ich kann nichts bequatschen, wenn du keinen Teller vor dir hast.“ „So beginnen die Machtkämpfe.“ „Bitte werde nicht prinzipiell. Hilf mir.“ „Genau das ist der Rückwärtsgang. So ein ‚Hilf mir‘ krempelt mich sofort völlig um.“ Er holte sich was zu essen und zu trinken und kommt an den Tisch zurück: „Fang an.“ Das tut sie: „Wo wohnst du?“ „Ich habe mir überlegt, dass ich zunächst im Flaucher bleiben könnte.“ „Und während du das überlegt hast, ist dir klar geworden, dass das keine Lösung ist.“ „Ja.“ „Lass uns versuchen, immer so eindeutig und unmissverständlich zu reden. Es war heute morgen schon ganz schön kalt, du kannst nicht weiter ohne Kalender und ohne Wetterbericht im Gebüsch pennen. Wo also wohnst du?“ „Um es klar und deutlich zu sagen: Ich weiß es nicht.“ „Ich könnte versuchen, dich bei Marion unterzubringen.“ Das ist ihm aber gar nicht Recht: „Am Starnberger See?“ „Nein, die haben ja ihr Haus in Harlaching, nicht weit von der Lolla.“ „Nicht weit vom Liebesnest. Ich möchte nicht bei Marion wohnen.“ „Warum nicht? Zunächst mal - nur als Übergang.“ „Ich möchte nicht, ich – habe so ein bisschen das Gefühl, dass sie – naja: sich ein bisschen in mich verknallt hat. Nein, möchte ich nicht.“ Sie erhob sich und gab ihm einen Kuss: „Danke.“ „Wofür?“ „Fürs Blitzableitersetzen, bevor es einschlägt. Du könntest bei uns wohnen. Du kriegst Lilianes Zimmer, sie schläft bei mir.“ Ganz entschieden sagt er: „Das kannst du nicht machen.“ „Wieso nicht? Das haben wir schon öfter mal gemacht.“ „Du kannst die Jungverheiratete nicht aus ihrem Zimmer schmeißen, geschweige aus dem Bett, wo sie vielleicht noch nicht mal einen Organismus hatte.“ Susanne musste lachen, wurde aber gleich wieder ernst: „Das habe ich nicht bedacht. Du hast Recht, geht nicht. Bleibt eine letzte Möglichkeit, an die ich als Erstes gedacht habe: Ich habe sehr liberale Eltern und ein sehr breites Bett, da passen wir beide rein, mit zwei Zudecken. Mein Kopf links, meine Beine rechts, dein Kopf rechts, deine Beine links.“ Ferdinand konnte nicht weiteressen. Sie fragte nach kleiner Pause: „Hats dich umgehauen?“ „Ja, allerdings.“ „Versteh mich bitte richtig: Dies ist keine Einladung zum Äußersten, zum Vögeln. Wir bauen ein neues Tabu.“ „Und warten auf den Anlass, wie der Franziskaner sagen würde.“ „Ja. Und wie wirs mit dem Küssen auch geschafft haben. Ich will unsere Verschmelzung nicht, bloß weil dein Kopp wie Neptun aus dem Flaucher aufgetaucht ist und ich dich erwischt habe. Der Anlass wäre mir zu poplig.“ Ferdinand weicht aus: „Heute vor vier Wochen bin ich zum ersten mal in München aufgewacht, auf einer Bank unter einem Kioskdach, geweckt von einem größenwahnsinnigen Motorradfahrer.“ „Weichst du aus?“ fragt sie. „Ja,“ sagt er. „Geht nicht,“ sagt sie, „du musst deine Meinung sagen, deine ehrliche Meinung.“ Er erklärt also: „Deine Einladung läuft auf eine riesige Intimität raus.“ Sie stellt die bange Frage: „Zu riesig?“ Er stellt die Gegenfrage: „Was meinst du?“ „Ich habe Schiss vor meinem Mut. Zu riesig oder?“ Seine Augen irrlichtern durch die Mensa, suchen in Fernen, beruhigen sich, er wendet den Kopf zu ihr, legt ihn ganz wenig auf die rechte Schulter, lächelt: „Nein...“ Das erlöst sie. Sie steht auf, tritt zu ihm, drückt seinen Kopf an ihren Bauch: „Heute abend, 7 Uhr zum Essen, oder später, wann du willst.“ Sie beugt sich runter und küsst ihn: „Tschüs.“ „Tschüs, Susanne.“ Sie nimmt ihr Tablett und geht davon, kein Blick zurück, typisch Susanne. Ein Blick zurück würde Abschied signalisieren, kein Blick zurück signalisiert: ‚Ich nehme dich mit.‘ Ferdinand latscht durch München. So viel hat sich doch eigentlich gar nicht geändert. Doch, es hat sich viel geändert, und es wird sich wahnsinnig viel ändern. Und ob das Besprochene gut gehen wird – das ist doch gar nicht ausgemacht. Erstmal alle Manschetten vor der ersten Nacht. Die hat Susanne auch. Ist vielleicht nicht die Regel, aber meistens sensibilisiert Angst vor solchen Situationen, und es wird einfacher, als man fürchtet. Bis halb neun läuft er mit riesigen Zweifeln durch die Stadt. Nur eins: Immer enger zieht es ihn zu Susannes Kemenate, ohne dass er es eigentlich will. Das nimmt er als etwas undeutliches, verwischtes Zeichen. Kurz vor neun klingelt er in der Sebaldusstraße 6. Die Stimme der Mutter kommt aus der Sprechanlage: „Hallo?“ „Guten Abend, ich bin Ferdinand – möchte zu Susanne.“ Der Türöffner schnarrt. Ferdinand geht rauf. Auf dem Treppenabsatz vor der Tür zu Susannes Zimmer steht Liliane auf der Zehenspitze ihres rechten Fußes, die Hand auf Kims Arm, der behutsam um sie herumgeht und eine Melodie brummelt. Ferdinand stört nicht, die beiden nehmen keine Notiz von ihm. Ferdinand klopft bei Susanne. „Ja, komm rein,“ ruft sie, „ich freu mich wahnsinnig, hatte ein bisschen Angst, dass du Angst kriegen könntest. Der Flaucher mit seiner ganzen Unverbindlichkeit hat ja sicher auch was Verführerisches.“ „Stimmt genau.“ „Hast du dich an die Isar geträumt?“ „Nee, kein bisschen geträumt, mich hats zerrissen. Gib mir bitte was zu trinken. Hab eine furchtbar trockene Nasszelle.“ Sie muss lachen, gibt ihm Orangensaft. Er trinkt gierig, stellt dann das Probefläschchen mit dem Badesalz auf den Tisch: „Tut mir Leid, konnte ich nicht ausprobieren.“ Susanne lacht: „Nein, dafür ist die Isar zu breit.“ Er schaut sich das Bett genauer an: „Schöne Bettwäsche hast du.“ Sie erstarrt. Er schaut sie an: „Ist was?“ „Von meiner schönen Bettwäsche hat dein Vorgänger auch gelabert.“ „Das tut mir Leid. Soll ich gehn?“ „Wohin?“ Sie berappelt sich: „Hör zu, ich habe mir das überlegt. Bitte jetzt keine Pausen mit Spannung. Ran. Geh ins Bad, zieh dich aus, komm rüber. Wie liegst du?“ „Was meinst du?“ „Naja, Tendenz mehr linke Seite oder mehr rechte Seite?“ „Ach so.“ Ferdinand muss da mit einigen Schulterbewegungen erst ein bisschen nachdenken: „Also, ich liege mehr auf der rechten Seite oder auf dem Bauch.“ „Kuckst also eher nach rechts.“ Er überprüft auch das in Gedanken und mit Verrenkungen: „Ja, in etwa...“ „Dann habe ich also das Bett richtig gemacht. Du hinten, Kopf rechts, Wand ankucken.“ „Nicht nur richtig, Susanne, sondern sehr schön. Ich wittere, dass du die Betten mit Liebe gemacht hast.“ „Deine Witterung soll leben. Los.“ Es ging wirklich sehr problemlos mit dieser wunderbaren Frau, die so klar denken konnte. Bald lag Ferdinand auf seiner Seite, schaute die Wand an. Dann kam sie, löschte das Licht, gab ihm einen Kuss und wollte sich vorne hinlegen. Sie hatte das Haar geöffnet, das Ferdinands Gesicht kitzelte: „Hast du die Haare offen?“ „Ja, für die Nacht. Wieso?“ „Mach nochmal kurz das Licht an. Ich muss dich anschauen. Die offenen Haare regen mich auf.“ Sie knipste das Licht nochmal an: „Was meinst du?“ Ferdinand drehte den Kopf und blinzelte. Nein, das Nachthemd regte ihn nicht auf, aber die herrliche Haaresfülle. Wieso? Nicht erklären: „Kannst ausmachen. Passiert das jetzt jeden Abend?“ Sie machte das Licht aus: „Ja. Ich schlafe immer mit offenen Haaren. Störts dich?“ „Im Gegenteil. Morgen machst dus bitte in meiner Gegenwart auf.“ Sie liegt und fragt: „Ferdinand?“ „Ja?“ „Wo kommst du her? Woher deine Angst vor allen Leuten, die asiatisch aussehen?“ „Du hast auf der Fahrt nach Starnberg über mich spekuliert, laut, folgerichtig und gut - präzise. Aber du bist nicht drauf gekommen, dass ich an asiatische Mafiosi geraten bin.“ Das erschrickt Susanne: „Au!“ „Gefährlich oder?“ „Schon gefährlich, ja, sehr schwer abzuschätzen oder gar zu durchschauen. Du schließt aus, dass dich ein Chinese angerufen hat mit seinem ‚Verpiss dich‘?“ „Ich kann das nicht völlig ausschließen, aber...“ „Du schließt aus, dass dir in Berlin einer zum Bahnhof gefolgt ist und mit dir nach München gefahren ist?“ „Susanne, ich kann überhaupt nichts ausschließen. Vielleicht steht jetzt da unten einer unter der Laterne und registriert genau, dass ich bei dir schlafe. Licht gelöscht 21 Uhr 32. Ich zweifle, ich zweifle sehr, aber...“ Susanne bittet: „Und jetzt bitte dein Verbrechen, so präzise als möglich.“ „Im Februar, also noch zur Umtauschzeit D-Mark in Euro lud mich ein chinesischer Kunde in ein asiatisches Sport-Center ein: Bogenschießen, Kickboxen und so weiter. Ein Kunde, der nie aufgefallen war. Die Summen, die er monatlich einzahlte, blieben im gesetzmäßigen Rahmen. Manchmal hob er, nach Anmeldung am Vortag, viel Bargeld ab, an sich nicht auffällig. Manchmal tauschte er polnische Zloty um. Er zeigte mir den asiatischen Schmuck, den er mit seiner Truppe verkaufte. Ich ging in das Sport-Center, weit draußen in Biesdorf. Alles sehr ordentlich. Am Ende gab er mir 300.000 Mark mit der Bitte, sie in Euro einzutauschen, 4% Provision.“ „Das ist nicht viel.“ „Nein, aber ich spekuliere, dass das Absicht war. 20% hätten mich viel stärker kriminalisiert. Ich habe – obgleich ich eigentlich gar nicht wollte - den Umtausch geschafft, mit kleinen Manipulationen, die niemandem geschadet haben. Es war ja noch offizielle Umtauschzeit. Ein halbes Jahr später kommt er in die Wohnung mit 950.000 D-Mark.“ „Wow!“ macht Susanne. Ferdinand berichtigt kurz: „Ich hab vergessen zu erzählen: An dem Tag, als ich die ersten Euro nach Biesdorf brachte, war da ein junger Berliner, der mir klar machte, dass das Schmuckgeschäft nur Tarnung ist für beachtliche Großkriminalität, Zigarettenschmuggel, Drogen, Autoklau und so. Und: mein Chinese zwang mich, ein Kickboxing anzusehn, bei dem einer der Kämpfer durch einen sehr schlimmen Handkantenschlag von ihm, also von meinem Kunden, starb. Davon war ich nun Zeuge. Sportunfall? Nein, Mord. Und ich als Zeuge erpressbar.“ „Aber er doch auch – erpressbar.“ „Ja. Aber er machte mir unmissverständlich klar, wie schnell er viele Zeugen organisieren könnte, die mich bei der Polizei eindeutig anschwärzen und mich unter Eid als den Mörder hinstellen würden.“ „Mein armer Ferdinand...“ „Als mein Chinese mit den 950.000 D-Mark in die Wohnung kam, war der junge Berliner dabei, - es war der Cousin von Susanne I.“ Susanne II pfiff durch die Zähne. Ferdinand überlegte: „War wirklich Zufall. Oder? Habe ich noch gar nicht zu Ende gedacht. Ich weigerte mich, an den Geldumtausch auch nur zu denken. Ich schmiss dem Chinesen die Tasche mit dem Geld auf die Straße nach. Wenig später im Bett flüsterte mir Susanne ins Ohr, dass –“ Susanne II entschied geschmerzt: „Nein, bitte nicht weiter. Es genügt.“ Aber Ferdinand musste auch das noch loswerden: „- dass ihr Onkel, der Vater des Cousins sie von ihrem achten bis zum dreizehnten Lebensjahr missbraucht hatte. Stunden später der anonyme Anruf.“ „Ich hab mir unsere erste Nacht anders vorgestellt.“ „Es gibt solche ersten Nächte und solche... Du hast gefragt.“ „Ich weiß. Meine Liebe ist unbeschädigt.“ „Danke, Susanne. Gute Nacht.“ „Gute Nacht, Ferdinand.“ Wie seit vier Wochen gewohnt, wachte Ferdinand am Samstag morgen früh auf und ließ den Blick wandern in die Fülle der neuen Umgebung. Die Gitarre, die da an der Wand hing, schien ihm sehr verstaubt. Die Wände waren lange nicht gestrichen worden, auf der Raufasertapete sammelten sich vor allem in den Ecken Rußpartikel. Er sah sich auf einer Leiter stehen und das Zimmer streichen, mit einem aus Zeitungspapier gefalteten Käppi auf dem Kopf. Die Gardinen waren außergewöhnlich schön: weiß und gerüscht nah am Fenster, also am Glas, mit immer dunkler werdenden Abschattierungen ins Grau und immer glatter vom Glas weg, am Ende nichts mehr gerüscht. Sie sperrten das Licht von draußen nicht aus, sondern holten es rein ins Zimmer. Die waren von keinem Professionellen. Wer hatte da genäht? Mutter oder Tochter? Ziemlich sicher die Mutter. Ein Bild, Aquarell, sehr naiv: Eine Sonnenblume in einer grünen Vase auf einer roten Tischplatte, die Platte deutlich nach den Gesetzen der Perspektive: das hat Susanne in der Schule gemalt. Eine Fülle von gesammeltem Zeug, viel Buntes, mit böser Zunge könnte man von Staubfängern sprechen, dem Auge machten sie Freude, und an vielen Dingen hingen sicher kräftige Erinnerungen. Da ne Mütze, da ne Mütze, noch ne Mütze, Ferienprospekte an die Wand gepinnt, Musik-Poster Trent Razner von Nine Inch Mails. Dann blieb der Blick am Gesicht der Freundin hängen, schlafend, so nah, so fern. Große Sehnsucht, sie zu küssen, sie zu entdecken, in den Hafen einzulaufen. Sie hatten einen Vertrag geschlossen. Nein, nicht vertragsbrüchig werden, nicht Möglichkeiten verspielen, für immer gar. Es gibt Qualitäten des Wartens, die erlebt sein wollen, die nur im Warten Wert bekommen. Mit größter Behutsamkeit stieg er über Susanne hinweg, verließ er das Bett. Ein sehr hohes Bücherregal. Vor seinen titellesenden Augen ein schmaler Band: ‚Higgelti, Piggelti, Popp oder Es muss im Leben mehr als Alles geben’ von Maurice Sendak. Er ging ins Bad. Da lag ein Handtuch, ein Becher zum Zähneputzen. Das hatte Susanne gestern abend noch vorbereitet. Es schoss ihm durch den Kopf, ob er hier vielleicht Miete zahlen sollte oder müsste, Vollpension. Er spülte die Nase. Susanne fragte ihn dann später: „Was hast du denn da für eine komische Kanne mitgebracht?“ „Wieso Kanne?“ fragte er zurück. „Steht im Bad.“ Ferdinand verstand: „Ach so, das ist eine Nasenspülkanne.“ „Für einen Penner hast du merkwürdige Sachen im Gepäck.“ „Ich hab doch mit meinem dicken Schnupfen bei diesem Arzt übernachtet. Da waren viele solche Kannen. Ich habe eine ausprobiert. War gut.“ „Und einfach mitgenommen. Gleich wieder kriminell geworden. Wir nennen sowas Rückfalltäter.“ „Nein, ich hab zehn Euro hingelegt.“ Vater, Mutter, Tochter und sowas wie ein Schwiegersohn am Frühstückstisch. Liliane und Kim schliefen lange. Der Vater freute sich sehr: „Ferdinand zum Frühstück! Ich gratuliere meiner Tochter Susanne! Und wünsche ihr nichts anderes als ein bisschen Dauer. Oder viel Dauer gar. Sodann: Rokoko kommt von Rocaille, das ist Muschelwerk, kommt in den Dekors des Rokoko immer wieder vor. Sodann: Das Klo ist verstopft. Wenn du da mal nachsehn könntest, Ferdinand.“ Wie der Vater es nur immer schaffte, ihr den Humor aus dem Segel zu nehmen, - Susanne stoßseufzte: „Och, Paps, bitte!...“ Aber der Vater konterte: „Erotik in Ehren! Aber ein Klo ist nicht ehrenrührig.“ Ferdinand fand Versöhnliches: „Susanne, ich war schon immer ein Macher und Bastler. An mir ist ein Hausmeister verloren gegangen. Wir werden dem Klo seinen Schrecken nehmen.“ Der Vater erklärte noch: „Ich würde es wahnsinnig gern selber machen, wirklich! Aber ich habe zwei linke Hände. Nichts außen entspricht meiner Sehnsucht drinnen.“ „Schöne Hände,“ sagte Ferdinand. Der Vater war einigermaßen erstaunt: „Junge, das hat mir noch keiner gesagt.“ „Hände zum Blättern in Wörterbüchern.“ „Hat dir mein Goldschatz verklickert. Siehe Rokoko. Wusstet ihr, dass Entsetzen wirklich Vom-Stuhl-Kippen heißt? Weil irgendwas so ent-setz-lich ist. Ent-setzen, kein Sitz mehr unterm Hintern. Vom Stuhl kippen oder fallen.“ Ferdinand wollte wissen: „Woher kommt denn das Wort Vernissage?“ „Weiß ich nicht, mein Junge. Liefere ich aber bis morgen früh zum Frühstück.“ Ferdinand guckte sich das verstopfte Klo an, ließ einmal Wasser bis an den oberen Rand zufließen, beschaute sich dann das vorhandene Werkzeug – da war nicht viel Passendes da. Und da war auch noch die Klinke zur Flurtür, die man so oft in Händen hielt. Der passende Inbusschlüssel war auch nicht zu finden. „Mich erschreckt das immer so,“ sagte die Mutter, „wenn ich plötzlich die Klinke in der Hand behalte.“ Ferdinand ging mit Susanne einkaufen. Das Notwendige fand sich bei Kepa – Pardon: Karstadt, ehemals Kepa. Eines der beliebtesten Karstadt-Kaufhäuser in ganz Deutschland, so sagte man mal, bisschen eng, wahnsinnig viel auf kleinstem Raum. War schön. Plötzlich lag das Paradies in Giesing. Susanne radelte dann in die Uni, da kann man am Samstag in wunderbarer Ruhe arbeiten. Ferdinand hatte es nicht allzu schwer, Klo und Türklinke in Ordnung zu bringen. |